Finanzschub für Auslandssemester und Studienprojekte

Studieren in Neuseeland oder Schottland, UN-Resolutionen formulieren in Kopenhagen oder die Jeans-Herstellung in türkischen Unternehmen besichtigen - das ermöglichen wir mit unseren Stipendien. Damit Studierende neue kulturelle Erfahrungen sammeln und ihr Studium mit internationalen Perspektiven ergänzen können, unterstützen wir sie finanziell bei Exkursionen oder Auslandssemestern.

Auslandsberichte von Studierenden

Auf Du und Du mit den Profs

Franziska berichtet aus Australien

Mein Auslandssemester hat Mitte Juli in Melbourne begonnen. Leider habe ich die Orientation-Week verpasst, da ich noch meine Prüfungen vom 3. Semester in Reutlingen schreiben musste. Das war der Grund, warum ich nicht einmal 24 Stunden nach meiner Ankunft in einem Vorlesungsraum saß. Dennoch hatte ich sofort das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, da mich alle mit offenen Armen empfangen und mir sofort weitergeholfen haben. Auch, dass wir Studenten die Profs duzen durften, erleichterte mir das Einleben enorm – auch wenn es nur eine „kleine Sache“ ist.

Das Royal Melbourne Institute of Technology (RMIT) ist auf verschiedene Campusse aufgeteilt – der City Campus, der Campus in Bundoora und in Brunswick. Die meisten kreativen Kurse sind in Brunswick. Dort ist es relativ familiär, da es „nur“ fünf Gebäude gibt, inklusive Mensa und Bibliothek. Das RMIT bietet für Studenten unzählige tolle Ausflugsmöglichkeiten an. Sowohl an Wochenenden als auch unter der Woche. Diese Angebote sind im Vergleich zu den sonst so hohen Preisen völlig berechtigt. Zum Beispiel gibt es einen Brunch Club, wo unterschiedliche Restaurants besucht werden, die Möglichkeit die Great Ocean Road zu erkunden, Kino-Abende u. v. a. m.

Eigentlich unterscheiden sich die Vorlesungen nicht sehr von denen, die wir kennen. Es wird ausschließlich mit dem Laptop gearbeitet (ausgedruckte Skripte gibt es nicht mehr) und es wird viel Wert auf Gruppenarbeit gelegt. Wie bei uns, gibt es zu den meisten Fächern Tutorien, die zum Teil Pflicht sind. Die Fächer, die ich besucht habe gehören nicht alle zu einem „festen“ Studiengang. Ich habe sie so ausgesucht, dass sie inhaltlich den Fächern in Reutlingen entsprechen bzw. ähneln – und ich habe die absolut richtigen Entscheidungen getroffen (auch wenn das am Anfang sehr aufwendig war, sich durch die Kursbeschreibungen zu lesen). Sie waren zum Teil viel Arbeit, da ich jede Woche ca. zwei Hausarbeiten abgeben musste, aber es hat wirklich Spaß gemacht. Die meisten Themen von den Hausarbeiten durften wir nach den eigenen Interessen richten, sodass die Recherche und das Formulieren kaum ein Problem waren. Die Tatsache, dass die Australier sehr viel Wert auf Gruppenarbeit legen, hat es außerdem sehr interessant gemacht. Es ist nicht immer einfach, mit unterschiedlichen Nationalitäten in einer Gruppe zusammen zu arbeiten, da alle unterschiedliche Arbeitsweisen kennen und gewohnt sind. Ich habe gelernt, dass es meistens ein bisschen Zeit braucht, um sich aneinander zu gewöhnen, um am Ende tolle Ergebnisse zu erhalten.

Mir hat die Zeit dort einiges in Bezug auf Verantwortung, Selbstvertrauen aber auch für meine spätere Jobfindung gebracht. Durch die überwiegend modischen Fächer wurde ich noch mehr bestärkt, mich nach dem Studium mehr in diese Richtung zu orientieren. Melbourne ist eine wunderschöne Stadt. Ich hatte das Glück, eine tolle Wohnung gefunden zu haben, die ich mir mit zwei Studenten geteilt habe. Wir haben in der Innen-stadt gewohnt und konnten uns überwiegend in der FreeTramZone bewegen (außer zu meinem Campus). Zu den Highlights in der Stadt zählen definitiv die unzähligen Cafés, wo man vom einfachen Cappuccino über heiße Schokolade mit Zuckerwatte bis hin zu verrückten Speisen alles bekommt.

Der Hafen in den Docklands, der Melbourne Star, das Marvel Stadium, ein Spaziergang am Yarra River, Brighton Beach, der botanische Garten, Philipp Island ... ich könnte hunderte Highlights aufzählen. Alles in allem kann ich sagen, dass sich der Aufwand der Vorbereitung definitiv gelohnt hat. Ich habe in Melbourne viele neue Freunde, aber auch mich selbst kennen gelernt und ich freue mich jetzt schon, viele von ihnen wieder zu sehen. Diese Zeit bleibt mir definitiv für immer in Erinnerung.

Selfies machen in Seoul

Florianne (re. im Bild) berichtet aus Südkorea

Seoul ist, wenn Du an den schönsten Aussichtspunkten kitschige Fotostationen findest, die von Locals tatsächlich als Selfiehintergrund präferiert werden. Seoul ist auch, wenn jeder, der älter ist als Du, grundsätzlich Vorrecht hat und Dich zum Beispiel in der Kassenschlange einfach überholen darf. Und Seoul ist, wenn Du Deinen Abfall stundenlang mit Dir durch die Stadt tragen musst, weil es kaum öffentliche Mülleimer gibt. Seoul ist, wenn sich kilometerlang Stores von Kosmetikmarken aneinanderreihen und Kliniken für plastische Chirurgie ganz selbstverständlich zwischen Einkaufshäuser in Shoppingmeilen stehen. Seoul ist aber auch, wenn öffentliche Toiletten überall bedenkenlos genutzt werden können und zu jeder Zeit sauber und ausgestattet sind. Und, wenn Überweisungen in SMS-Geschwindigkeit auf dem anderen Konto ankommen. Und Seoul ist auch, wenn quasi überall freies WLAN zur Verfügung steht und viele Geschäfte oder Cafés rund um die Uhr geöffnet sind. Seoul ist, wenn erwachsene Männer rosafarbene Sweatshirts mit kleinen, niedlichen Charakteren tragen. Und generell auf den meisten Produktverpackungen kleine Zeichentrickfiguren (oft die so genannten Kakao Friends) abgedruckt sind. Und Seoul ist, wenn Modetrends unglaublich uniform im Großteil der Gesellschaft verbreitet und umgesetzt werden. Seoul ist, wenn Du in einem Café einfach rausgehen oder bestellen gehen kannst, während Laptop und Handy ganz offen auf dem verlassenen Tisch liegen, Du Dir aber keine Sorgen machen musst. So habe ich die Stadt während meines Auslandssemesters im WS18 dort erlebt. Modern, strukturiert und sicher. Und groß und vielfältig! Mein Semester an der Yonsei University ging so schnell vorbei, dass ich beim Verlassen der Stadt wusste, es gäbe noch so viel mehr zu entdecken. Und so viel mehr Vokabeln für mich zu lernen. Mein koreanisch reichte am Ende zum Lesen und Verstehen von Schildern und Speisekarten, aber leider noch für keine ernstzunehmende Konversation. Neben dem Koreanischkurs belegte ich vier Wirtschaftskurse an der Yonsei: Advertising, Business & the Arts, Entrepreneurship, Production & Operations Management. Austauschstudenten wurden leider von allen Kursen mit Bezug zur Modeindustrie ausgeschlossen. Der große Campus der Uni mit rund 38.000 Studenten ist mitten in Sinchon gelegen, einem Stadtviertel Seouls voller Studenten, kleinen Bars, Restaurants und Cafés direkt neben dem koreanischen Feierviertel Hongdae. Dabei bildet das Universitätsgelände fast schon eine kleine Stadt in der Stadt, mit seiner großen Fläche, den vielen Gebäuden, eigenen Sportanlagen, mehreren Cafeterias, Restaurants und Cafés, Supermärkten und anderen Shops. Aber natürlich gab es nicht nur auf und um den Campus viel zu sehen. Seoul beherbergt so viele schöne Orte und Erlebnisse, verbindet Geschichte und Tradition und Moderne, bietet unzählige gute Cafés und Restaurants und ein lebendiges, buntes und lautes Nachtleben. Selbst einen eigenen Nationalpark hat die Stadt. Langweilig wird es garantiert nicht! Einsam übrigens auch nicht: Während die meisten Koreaner eher verschlossen sind und für sich bleiben, entstanden schon fast automatisch Bekanntschaften und Freundschaften unter den fast 1.000 Austauschstudenten aus aller Welt, die wir gleichzeitig an der Yonsei University waren. So bereichernd, so viele verschiedene Kulturen kennenzulernen! Trotz mancher sprachlichen und kulturellen Barrieren schaue ich deshalb jetzt dankbar auf ein Semester voller neuen Erfahrungen, Eindrücke, Abenteuer und neuen, wertvollen Freundschaften zurück. Kurz und knapp: es war großartig!

"Footy match" in Melbourne

Sebastian berichtet aus Australien:

Mit Barbecue und einer Rallye starteten die Orientierungstage zu Beginn des Semesters. Man lernt in der ersten Woche so viele neue Leute kennen, dass man sich nicht mal alle Namen merken kann. Es gibt in Melbourne so viel zu erleben, sei es Strände erkunden, laneways, die vielen Parks, der Yarra River, ein footy match (Football auf australisch), die vielen unterschiedlichen Stadtteile oder rooftop bars besuchen. Gerade bleibt mir dafür jedoch wenig Zeit, da wir vor Ostern viele assessments abgeben müssen. Dafür habe ich am Ende des Semesters nur eine Klausur. Meine Kurse (material studies, patternmaking, production management und CAD) sind sehr gut, ich lerne unglaublich viel Neues und bin begeistert von den anderen Studenten und vor allem den Professoren und Dozenten. Es ist so anders als in Reutlingen! Der Campus ist auf jeden Fall zum Wohlfühlen und alle Leute sind hilfsbereit und nett!

Selbstvertrauen stärken in Dunedin

Pascale berichtet aus Neuseeland

New Zealand’s first city for education and students“ – so rühmt sich die neuseeländische Stadt Dunedin. Pascale Nadine Damerau hat dort ihr Auslandssemester an der Otago Polytechnic verbracht und die gepriesenen Bildungsangebote getestet. Von Juli bis November 2016 war die Modedesign-Studentin an der Partnerhochschule – in einem sehr intensiven Studium. In der manchmal spärlichen Freizeit, konnte sie trotzdem die atemberaubende Landschaft und vor allem die liebenswerten Einheimischen genießen: „Busfahrer, die aus dem Bus aussteigen, um einen den Weg zu erklären oder Dozenten, die einem ihr Auto ausleihen“, so schwärmt sie von ihren Begegnungen mit den Kiwis. Nadine Pascale Damerau hat von ihrem Auslandsaufenthalt viele bleibende Eindrücke und vor allem wichtige Erkenntnisse mitgenommen: „Der Wunsch mich nach dem Studium selbstständig zu machen wurde bestärkt, weil mein Selbstvertrauen durch das Auslandssemester sehr zugenommen hat. In einem fremden Land komplett auf sich allein gestellt zu sein und das gut zu meistern gab mir die Gewissheit, alle meine Ziele erreichen zu können!“ Nadine Pascale Damerau plant nun schon an ihrem eigenen nachhaltigen und veganen Modelabel für Abendroben.