Otto-Johannsen-Preis und Designpreise

Seit 1980 zeichnet der Förderverein Campus Reutlingen e. V. besonders herausragende Abschlussarbeiten an der Hochschule Reutlingen mit dem Otto-Johannsen-Preis aus. Er ist benannt nach dem Direktor (1892 – 1932) des ursprünglichen „Staatlichen Technikums für Textilindustrie“, aus dem die heutige Hochschule Reutlingen entstanden ist. In den Anfangsjahren wurden noch edle Goldmedaillen verliehen - inzwischen ist der Verein zu Preisgeldern übergegangen: Insgesamt 1.500,00 Euro erhalten zwei Preisträger pro Semester. Eine Jury aus Professorinnen und Professoren aller Fakultäten der Hochschule Reutlingen sowie Mitgliedern des Vereinsvorstands von Campus Reutlingen wählt jeweils eine preiswürdige Master- bzw. Bachelor-Thesis aus. Die wichtigsten Kriterien: Innovative Ideen mit einem möglichst hohen Praxisbezug sollen für die Thesis erforscht und dargestellt werden.

Die Fakultät Textil & Design vergibt seit 2014 jeweils einen Designpreis pro Semester an Absolventinnen und Absolventen in Bereichen wie (Mode)Design, Textiltechnologie oder Textile Interior Design. Das Preisgeld in Höhe von jeweils 500 Euro stiftet Campus Reutlingen. Der Preis zeichnet Abschlussthesen aus, die neben der praktischen Umsetzbarkeit auch neue, innovative Erkenntnisse liefern und eine hervorragende wissenschaftliche Methodik aufweisen.
 

Unsere Otto-Johannsen-Preisträger

Lückenfüller für die Pflege

Es ist ein bisschen wie Tetris spielen, was Marc Keilmann zu einer spannenden Softwarelösung umfunktioniert hat. Ähnlich wie das Spielprinzip von Tetris, nämlich Elemente in möglichst lückenlosen Reihen anzuordnen, funktioniert auch seine Anwendung für die Pflegeausbildung.

Marc Keilmann entwickelte die Software im Rahmen seiner Master-Thesis im Studiengang Human Centered Computing an der Fakultät Informatik. Auslöser dafür war das neue Pflegegesetz, nach dem jetzt alle Pflege-Azubis dieselben Ausbildungsstationen durchlaufen müssen, egal welchen Schwerpunkt sie gewählt haben. Zu den Stationen gehören unter anderem Krankenhäuser, Pflegeheime oder psychiatrische Einrichtungen. Die Herausforderung dabei: Die Einrichtungen haben meist sehr unterschiedliche Aufnahmekapazitäten für Azubis. Diese gleichmäßig zu verteilen und dabei auch noch den Stationswechsel reibungslos hinzubekommen ist für die Ausbildungskoordinatoren eine logistische Herausforderung.

Hier kommt die Software von Marc Keilmann ins Spiel: Er hat einen Algorithmus entwickelt, der Azubis und freie Ausbildungsplätze in Pflege-Einrichtungen und Krankenhäusern koordiniert, gleichmäßig verteilt und dabei auch die optimale Rotation berücksichtigt. So bleiben keine Stellen unbesetzt, Wartezeiten für eine Ausbildungsstelle entfallen im Idealfall. Für den Pflegenotstand wäre das eine vielversprechende Lösung, da durch diese effiziente Verteilungssoftware mehr Menschen in die Ausbildung aufgenommen werden könnten.

Marc hat bereits Kontakte zu einigen Koordinatoren in der Pflegeausbildung, die sehr an seiner Software interessiert sind. Mit einem Partner baut er derzeit ein Start-up auf und arbeitet an einem Prototyp für seine Anwendung. Die Geschäftsidee findet auch beim Land Anklang: Ab 1. Juni 2021 werden die beiden Gründer ein Jahr durch das Förderprogramm „Junge Innovatoren“ finanziell und beratend unterstützt.

 

Zerreißprobe im 3D-Druck

Maschinenbaustudent Maximilian Schüle hat 3D-Objekte unter Stress gesetzt

Der 3D-Drucker der Fakultät Technik ist heiß gelaufen, um für Maximilian Schüles Bachelor-Thesis genügend Testmaterial zu liefern. Der Maschinenbaustudent hat unzählige 3D-Objekte ausgedruckt, nur um sie danach regelrecht zu zerreißen. Vereinfacht gesagt - er hat sie so lange verdreht, bis sie nachgegeben und auseinandergebrochen sind. Torsionsprobe nennt sich das Verfahren, mit dem u. a. die Stabilität geprüft wird. Anhand dieser Torsionsproben hat Maximilian getestet, welche Einstellungen am Drucker - Drucktemperatur, -geschwindigkeit und Kühlung - die formstabilsten Objekte liefern.

Studierende der Fakultät Technik, aber auch die Community der (privaten) 3D-Drucker können bald von Maximilians Thesis profitieren. Anhand seiner Untersuchungen hat er einen Leitfaden erstellt, mit dem Drucker jeweils für die gewünschten Ergebnisse richtig voreingestellt werden können. Dafür liefert Maximilian auch Vorlagen mit für Test-Formteile, anhand derer die individuell perfekte Druckvorgabe ermittelt werden kann.

 

Corona-Accessoire mit neuem Komfort?

Daniel Betz hat eine neue Atemschutzmaske im Flachstrick-Design entwickelt (2020)

Als Daniel Betz (s. Galerie unten) im August 2019 das Konzept einer komfortableren Atemschutzmaske für seine Master-Thesis vorbereitete, ahnte er noch nicht, dass dieses Utensil unseren heutigen Alltag so sehr prägen würde. Während seines Studiums in Textildesign/Material- und Surface Design an der Hochschule Reutlingen hat sich Daniel Betz zunehmend intensiver mit dem Flachstrickverfahren beschäftigt. Bei Recherchen für sein Thesis-Thema stieß er auf die Bedeutung von Atemschutzmasken, die - vor der Corona-Pandemie - hauptsächlich in der Krankenpflege und Industrie eingesetzt wurden. Die beiden Themen machte er zum Untersuchungsobjekt seiner Masterarbeit und analysierte, wie Tragekomfort und Funktion der Masken verbessert werden könnten. So wollte er unter anderem Brillenträger entlasten, die vom Maskentragen oft Druckstellen an den Ohren bekommen, ganz zu schweigen vom vernebelten Blick wegen ständig beschlagener Brillengläser.

„An der Fakultät Textil & Design hatte ich die Mög­lichkeit, an einer der modernsten Flachstrickmaschinen zu arbeiten“, so Daniel Betz. „Dadurch konnte ich in einem Gestrick verschiedene Materialien verbinden. Und diese verbraucht man ohne Überschuss, was im Vergleich zu „Cut & Sew“ viel Stoff spart und damit die nachhaltigste Produktionsmethode ist“, erklärt er weiter. Mit der hochmodernen 3D-Technologie hat Daniel Betz eine Maske in einem Stück gestrickt. Dabei kann die Maschendichte unterschiedlich eingestellt werden. So schmiegt sich die Maske an manchen Stellen enger an den Kopf und bietet besseren Halt. Dadurch kann die Maske unterhalb der Ohrmuscheln im Genick verschlossen werden (s. Galerie unten). An bestimmten Stellen sind die Maschen etwas luftdurchlässiger und sollen weitgehend verhindern, dass Brillengläser beschlagen. Ein speziell texturiertes Garn dient außerdem als Filter gegen Schwebstoffe bzw. Aerosole.

Daniel Betz hat mit seiner Master-Thesis regelrecht Pionierarbeit geleistet und wurde für seine innovative Forschung mit dem Otto-Johannsen-Preis von Campus Reutlingen ausgezeichnet, dazu erhielt er ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro. Die von ihm entwickelte Atemschutzmaske ist noch nicht völlig ausgereift, weitere Entwicklungen sind nötig, um etwa den medizinisch geforderten FFP2/FFP3-Schutz zu garantieren. Aber Daniel Betz hat den Weg geebnet – seine Thesis ist bereits Grundlage für weitere Forschungsentwicklungen und Abschlussarbeiten an der Fakultät Textil & Design.

Germany's Next Digital Top Model?

Cora Winker testet, ob das virtuelle Model "Shudu" zur Konkurrenz von Gigi, Bella oder Kendall wird

Können virtuelle Models, die am Computer entwickelt wurden, die neuesten Modetrends ebenso gut präsentieren wie ihre menschlichen Pendants? Die Textilstudentin Cora Winker (im Bild rechts) hat das im Rahmen ihrer Bachelor-Thesis im Studiengang International Fashion Retail untersucht. Mit dem so genannten „eye tracking“-Verfahren hat sie Probanden einige Fotos des digitalen Models mit Namen „Shudu“ betrachten lassen. Währenddessen hat sie unter anderem gemessen, welche Bereiche der Fotos am häufigsten und jeweils wie lange betrachtet wurden. Konkurrenz für reale Models könnten diese 3D-Models schon bald werden, nicht nur wegen der pflegeleichteren Handhabung bei Fotoshootings, sondern auch wegen der erheblichen Kosteneinsparung. Bilder des digitalen 3D-Models Shudu sind auf Instagram unter @shudu.gram.

Ein T-Shirt in der Kreislaufwirtschaft

Neele Taubhorn hat untersucht, wie ein T-Shirt wieder komplett recycelt und neu verwertet werden kann.

Für ihre Master-Thesis in Textiltechnologie hat Neele Taubhorn ein T-Shirt in seine Einzelbestandteile zerlegt und nach dem Cradle-to-Cradle®-Prinzip ein Recycling-Konzept entwickelt. Sie hat ein T-Shirt entworfen, das komplett recycelt werden kann, ohne dass auch nur ein Faden im Abfall landet. Ist die Farbe oder der Look des T-Shirts nicht mehr der hippe Trend der Saison, gehen alle dafür verwendeten Materialien in den Recyclingkreislauf. Neben Verarbeitung und Produktion dieses nachhaltigen Shirts hat Neele Taubhorn auch Strategien für die Vermarktung entworfen. Campus Reutlingen hat sie dafür mit dem Otto-Johannsen-Preis ausgezeichent, der mit 1.000 Euro Preisgeld dotiert ist.

Abhilfe für Gurtmuffel

Karin Bobka macht das Anschnallen trendy

Gurtmuffel waren gestern - Karin Bobka (Transportation Interior Design) hat Sicherheitsgurte aus neuen Materialien entworfen, bestückt mit innovativen Technologien. Ihre Gurte haben smarte Funktionen, die über das reine Festhalten im Autositz hinaus gehen. für diesen Weg zu mehr Funktionalität und vor allem mehr Sicherheit hat Karin den Otto-Johannsen-Preis erhalten.

Diebstahlsicherung und Impulse für die Öffis

Maximilian Kolb (re.) hat in seiner preisgekrönten Master-Thesis mithilfe Künstlicher Intelligenz eine vollautomatische Fahrzeugdiebstahlerkennung entwickelt. Das System erkennt demnach sofort, wenn nicht der eigentliche Fahrzeughalter am Lenkrad sitzt.
Nils Reich hat mit seiner Bachelorarbeit untersucht, wie oft und warum insbesondere Pendler die Öffis in Stuttgart nutzen. Dabei kamen auch für die SSB sehr interessante Ergebnisse heraus.