30.04.2021

Lückenfüller für die Pflege

Der Informatikabsolvent Marc Keilmann hat eine Software entwickelt, die die Ausbildung in Pflegeberufen schneller und effizienter macht. Dafür hat er den Otto-Johannsen-Preis erhalten.

Es ist ein bisschen wie Tetris spielen, was Marc Keilmann gerade zu einer spannenden Softwarelösung umfunktioniert. Der Master-Absolvent hat das Prinzip des Spiels, Elemente in möglichst lückenlosen Reihen anzuordnen, zur Grundidee einer Verwaltungssoftware für die Pflegeausbildung gemacht. Damit könnte er die Pflegeausbildung zukünftig effizienter und schneller machen. Der Förderverein Campus Reutlingen hat ihn dafür mit dem Otto-Johannsen-Preis ausgezeichnet.

Marc Keilmann entwickelte diese Software im Rahmen seiner Master-Thesis im Studiengang Human Centered Computing an der Fakultät Informatik. Durch seine Mutter, die im Pflegebereich arbeitet, wurde er auf logistische Schwierigkeiten aufmerksam, die das neue Pflegegesetz nach sich zieht. Jetzt müssen alle Pflege-Azubis dieselben Ausbildungsstationen – unter anderem Krankenhaus, Pflegeheim oder Psychiatrie – durchlaufen. Die Herausforderung dabei: Die Einrichtungen haben meist unterschiedliche Aufnahmekapazitäten für Azubis. Krankenhäuser haben meist mehr Stellen frei als beispielsweise psychiatrische Einrichtungen. Die Auszubildenden gleichmäßig zu verteilen und dabei auch noch den Stationswechsel reibungslos hinzubekommen ist für die Ausbildungskoordinatoren eine logistische Großaufgabe.

Hier kommt die Software von Marc Keilmann ins Spiel: Er hat einen Algorithmus entwickelt, der Azubis und freie Ausbildungsplätze in Pflege-Einrichtungen und Krankenhäusern koordiniert, gleichmäßig verteilt und dabei auch die optimale Rotation berücksichtigt. So bleiben keine Stellen unbesetzt, Wartezeiten für eine Ausbildungsstelle entfallen im Idealfall. Für den Pflegenotstand wäre das eine vielversprechende Lösung, da durch diese effiziente Verteilungssoftware mehr Menschen in die Ausbildung aufgenommen werden könnten.

Marc hat bereits Kontakte zu einigen Koordinatoren in der Pflegeausbildung, die sehr an seiner Software interessiert sind. Mit einem Partner baut er gerade ein Start-up auf und arbeitet an einem Prototyp für seine Anwendung. Die Geschäftsidee findet auch beim Land Anklang: Ab 1. Juni werden die beiden Gründer ein Jahr durch das Förderprogramm „Junge Innovatoren“ finanziell und beratend unterstützt. Eine kleine Finanzspritze hat Marc Keilmann jetzt auch durch den Otto-Johannsen-Preis erhalten: Der Preis ist mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro dotiert.

Eine Goldmedaille für innovative Abschlussarbeiten gab es in den ersten Jahren zum Otto-Johannsen-Preis dazu. Seit 1980 zeichnet der Förderverein Campus Reutlingen e. V. herausragende Abschlussarbeiten von Studierenden der Hochschule Reutlingen aus. Benannt ist der Preis nach Otto Johannsen (1892 – 1932), dem Direktor des ursprünglichen „Staatlichen Technikums für Textilindustrie“, aus dem die heutige Hochschule Reutlingen entstanden ist. Inzwischen gibt es statt der Goldmedaille Preisgelder, pro Semester sind das 500 Euro für eine ausgezeichnete Bachelor-Thesis und 1.000 Euro für eine Master-Thesis. Eine Jury aus Professorinnen und Professoren aller Hochschul-Fakultäten sowie Mitglieder des Vereinsvorstands von Campus Reutlingen wählt jeweils eine preiswürdige Thesis aus. Die wichtigsten Kriterien: Innovative Ideen mit einem möglichst hohen Praxisbezug sollen erforscht und dazu möglichst neuartige Lösungswege gefunden werden. Mehr Infos zum Otto-Johannsen-Preis sowie zu den Absolvent*innen und ihren preisgekrönten Ideen finden Sie unter Förderprojekte.